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Mit der Bahn unterwegs am Stiefelabsatz

Von awo

Der Bahnhof in Locorotondo bietet sich als Ausgangspunkt für Ausflüge an. Er gehört aber nicht zur "großen" Trenitalia, sondern zu den Südostbahnen (Ferrovie Sudest, abgekürzt FSE). Von Locorotondo aus ist es nur eine Station bis Martina Franca, einem größeren Umsteigepunkt der FSE. Von hier geht es in drei Richtungen: nach Tarent, dem italienischen Taranto (35 km), nach Lecce (103 km) oder wieder zurück bis nach Bari (78 km). Von Locorotondo in Richtung Bari ist es eine Station nach Alberobello, der Hochburg der Trullis.

Etwas weiter ist es nach Castellana. Hier wurde 1938 das ausgedehnteste Höhlensystem ganz Italiens entdeckt. An Besuchern herrscht heutzutage kein Mangel (viele Schulklassen). FSE hat einen eigenen Haltepunkt in unmittelbarer Nähe eingerichtet (Castellana Grotte - dem Schaffner Bescheid sagen, damit der Zug auch wirklich hält).

Martina Franca, der genannte Umsteigepunkt, ist ebenfalls ein lohnendes Ziel. Das Städtchen liegt auf einer Bergkuppe, so dass man wie von einem Balkon weit über das Land blicken kann. Es hat einige sehenswerte Bauten aus der Barockzeit aufzuweisen. Im Barock wurden ganze Platzansichten regelrecht durchkomponiert, wie man an der Piazza Maria Immacolata (siehe Foto) beispielhaft erkennen kann.

Länger dauert eine Fahrt bis nach Lecce, der eigentlichen Hochburg des salentinischen Barock. Besonders die folgenden drei Punkte sollte man hier besichtigen: den Dom mit dem Domplatz, die Kirche Santa Croce mit opulentesten Dekorationen und die Piazza Oronzo mit verschiedenen Bauwerken und einem halb ausgegrabenen römischen Amphitheater.

Lecce ist eine junge Stadt, geprägt von seiner Universität und den vielen Studierenden. Dass es sich dabei im wesentlichen um Priesterschüler handelt, ist ein Gerücht, das auf einer Fehlinterpretation des einen oder anderen Reiseführers beruhen muß.

Ein Ausflugsziel deutlich anderer Art ist Tarent. Die 200.000 Einwohner-Stadt liegt am Golf von Tarent, also auf der Innenseite des Stiefelabsatzes. Um dorthin zu gelangen, fährt der Zug den rund 200 Meter hohen Abhang der Murge hinunter. Tarent ist das einzige Zentrum der Schwerindustrie im tiefen Süden Italiens. Aus dem Stahlwerk werden Rauchschwaden in den verschiedensten Farben herausgepustet.

Wer die Stadt vom Bahnhof aus betritt, sieht zuerst ihre häßliche Seite. Das betrifft nicht nur das Stahlwerk, sondern auch die auf einer Insel gelegene Altstadt. Ganze Straßenzüge werden nicht mehr bewohnt, viele Häuser befinden sich im Endstadium des Verfalls. Inzwischen ist Tarent in das URBAN-Programm der EU aufgenommen worden. Es werden umfangreiche Fördermittel für die Stadterneuerung bereit gestellt. Man darf gespannt sein, welchen Erfolg dies haben wird.

Über eine Drehbrücke gelangt man dann von der Altstadt in das heutige Stadtzentrum. Hier endlich wirkt Tarent wie eine "normale" italienische Stadt. Was die Lage betrifft, ist es sogar privilegiert. Von vielen Seiten vom Wasser umgeben, weht oft ein frischer Wind. Selbst die Abgase der Stahlfabrik verflüchtigen sich sogleich.

Eisenbahngesellschaft Ferrovie Sudest (FSE)

Die FSE verfügen über ein ausgedehntes Eisenbahnnetz im Süden Apuliens. Die Züge und die Bahnhöfe werden intensiv gewartet und gepflegt, das Personal ist "auf Draht".

Die FSE war zeitweise eine Privatbahn. 1985 ist die Gesellschaft jedoch in finanzielle Schwierigkeiten geraten, ein Regierungskommissar wurde eingesetzt. Jetzt soll sie bald vom Staat auf die Region übertragen werden (Informationen von der Seite der FSE im Internet).

Auf dem Hauptbahnhof in Bari findet man die Bahnsteige der FSE ganz hinten. Am Schalter der Trenitalia erhält man nicht so recht Auskunft, denn die FSE hat ihren eigenen Schalter auf dem hintersten Bahnsteig.

Die Fahrpreise sind sehr günstig. Die Züge sind nicht gerade supermodern. Aber die Bahn ist gut in Schuß, so dass die Nutzung auf jeden Fall zu empfehlen ist.

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Fahrpläne und weitere Infos der FSE-Bahnen

Geschrieben 18.07.2002, Geändert 18.07.2002, 2565 x gelesen.

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Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar von awo vom 05.08.2011 21:28:19

Der angegebene Link funktioniert nicht mehr. Hier die neue Adresse der FSE-Bahnen:
www.fseonline.it/