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Siena - der Dom - sein Inneres

Von mosaik

Das Innere

Das dreischiffige Innere der Kathedrale in Form eines lateinischen Kreuzes ist von schlichter, eindrucksvoller Größe, noch gesteigert durch das Licht und Schattenspiel der weißen und schwarzen Marmorstreifen, die sich an den Wänden und Pfeilern hinziehen. Was hier vorherrscht, ist gerade das farbliche Motiv, selbst das Himmelstreben der Pfeiler erscheint, durch das waagrechte Streifendekor gemildert, die Perspektive wird zu einer Folge einander überlagernder Ebenen von materischer Phantasie und raffinierten für Siena typischen Farbtönungen. Rund um das ganze Mittelschiff zieht sich ein Mauerkranz hin, gestützt von 172 Büsten von Päpsten, von 1400-1500 geschaffen, und darunter sind die Büsten von 36 Kaisern angeordnet.

In den Seiten und in den Querschiffen befinden sich prächtige Kapellen, wie die Muttergottes-Kapelle im rechten und die Kapelle des Hl. Johannes des Täufers im linken Querschiff. In dem erhöhten Presbyterium prangt über dem Hauptaltar, einem Werk von Baldassarre Peruzzi (1532) ein großes Bronzeziborium von Vecchietta, das 1506 hier anstelle der "Majestät" von Duccio aufgestellt wurde.

Der Fußboden

Aber eines der echtesten Meisterwerke der Basilika besteht in dem marmornen Fußboden, den Graffitto und zum Teil sogar eingelegte bildliche Darstellungen schmecken. Er setzt sich aus 56 Feldern mit der Darstellungen biblischer Szenen, Sibyllen, Tugenden und verschiedenen geschichtlichen Szenen zusammen, die in verschiedenen Epochen und mit verschiedenen Techniken von der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bis um die Hälfte des 16. Jahrhunderts ausgeführt wurden. Zu den größten Künstlern, die hier Hand anlegten, und es waren über 40, erinnern wir an Matteo di Giovanni, dem wir die Szene der "Ermordung der Unschuldigen Kinder" verdanken. Daneben die Sibylle Samia, von demselben Künstler ausgeführt.

Chigi-Kapelle

Sie wurde 1661 nach einem Entwurf von Gian Lorenzo erbaut; den Auftrag hatte Papst Alexander VII. (Fabio Chigi da Siena,.1655 - 1661) gegeben. Über dem schlichten Rundbau mit vier Halbrundnischen wölbt sich eine vergoldete Laternenkuppel. Die im Barockstil gehaltene Kapelle zeigt reichen Marmor- und Bronzeschmuck. Berühmt ist das Gnadenbild der "Madonna del Voto" über dem Altar in einem Schrein, der von zwei vergoldeten Bronzeengeln getragen wird. Das Gnadenbild stammt aus der Schule des Guido da Siena (13. Jhdt.). Von Bernini sind der Altartabernakel und die beiden vergoldeten Bronzeengel. Die beiden Marmorstatuen in den Nischen links und rechts des Eingangs stellen die von Bernini geschaffenen Heiligen Hieronymus und Maria Magdalena dar. Die Statuen der hl. Katharina von Siena und des hl. Bernardino seitlich des Altars haben hingegen die beiden Bernini-Schüler Ercole Ferrata und Antonio Raggi ausgeführt. Die vier Reliefs zwischen den Säulen zeigen Szenen aus dem Marienleben; sie wurden 1748 in Rom ausgeführt. Gegenüber dem Altar steht etwas links die 1918 von Arturo Vigilardi geschaffene Votivstatue der "Dankbarkeit".

Kapelle Johannes des Täufers

Gegenüber der Chigi-Kapelle liegt im linken Arm des Querschiffs in der Nähe des Grabmals des Kardinals Riccardo Petroni (Werk des Tino da Camaino, 1314-18) die Kapelle Johannes des Täufers.

Sie wurde 1482 von Giovanni di Stefano im Frührenaissance-Stil erbaut und zeigt ein schönes Marmorportal des Lorenzo Marrina, das reich mit Intarsien und Basreliefs geschmeckt ist. Es wird von vier Säulen frankiert, deren Basis im nachgeahmten romanischen Stil dem Federighi zugeschrieben wird. Die schmiedeeiserne Tür ist ein Werk des Sallustio di Francesco Barili. In der Mitte der Kapelle steht das achteckige Taufbecken mit Basreliefs, die dem Antonio Federighi zugeschrieben werden. Sie zeigen sechs Szenen aus dem Leben Adam und Evas, Samson und den Löwen, Herkules und den Zentaur. In der Mittelnische steht die ausdrucksvolle Bronzestatue der Täufers, eine der letzten Arbeiten Donatellos (1457). Die eher schlichte Statue läßt eine tiefe Spiritualität und Askese ahnen. Wie bereits erwähnt, ist es ein Werk aus des letzten Schaffensperiode Donatellos und entstand nach der "Madonna Penitenie" des Baptisteriums in Florenz. Von den acht ursprünglichen Fresken des Pinturicchio (150104) sind nur fünf im Original erhalten geblieben; die übrigen drei Fresken wurden 1608 von Francesco Rustici (Rustichino) erneuert.

Die Kuppel

Die sechseckige, auf sechs Pfeilern ruhende Kuppel wurde von 1259 bis 1264 erbaut. In einer jeden Ecke steht auf einer Säule eine große vergoldete Heiligenstatue, geschaffen von Ventura Tiparilli und Bastiano di Francesco. Im darüberliegenden Teil ist das Sechseck durch muschelförmige Nischen zu einem Zwölfeck umgestaltet, und darin verläuft ein Säulengang, mittels 42 Säulen mit den Bildnissen ebensovieler Patriarchen und Propheten unterteilt. Die Bilder wurden 1481 von Guidoccio Cozzarelli, Benvenuto di Giovanni und Pellegrino di Mariano gemalt. Über dem Säulengang können wir schließlich die asymmetrische Haube der Kuppel und die 1891 restaurierte Laterne sehen. Groß ist die Vielfältigkeit der Blickfelder dank der sechseckigen Gestaltung der Kuppel. Zu ihren Füßen sind im Bodenbelag, von Sechsecken und Rhomben eingeschlossen, noch zahlreiche bildliche Darstellungen biblischer Szenen zu sehen, die man Domenico Beccafumi zuschreibt (1486-1551), dem berühmtesten Seneser Maler des 16. Jahrhunderts. Allerdings mußten diese bildlichen Darstellungen später weitgehend von Alessandro Franchi nachgestaltet werden.

Außen ist die Kuppel mit soliden Rippen verstärkt. Sie sitzt auf einer sog. Trommel, die wiederum aus einem doppelten Säulengang besteht: der untere ist durch Spitzbögen auf gedoppelten Säulen begrenzt, der obere durch Rundbögen. Als man 1376 den Gedanken, den "Neuen Dom" zu bauen, aufgab, schritt Giovanni Cecco zur Vollendung der Fassade, und da man sie in der Höhe noch gewaltiger gestalten wollte, mußte das ganze Gebäude aufgesteckt werden, und so wurde die ganze untere Loggienreihe der Kuppel verdeckt.

Der Hochaltar

Er wurde von Baldassarre Peruzzi entworfen, von Pellegrino di Pietro 1536 in Marmor gehauen und ist von einem Bronze-Ziborium (748 kg) des Vecchietta (1467-72) gekrönt. Die beiden seitlichen Kandelaber-Engel sind von Giovanni di Stefano (1489), die unteren von Francesco di Giorgio Martini (1499). An den Pfeilern sind auf Bronze-Konsolen acht schön ausgeführte Engel des Domenico Beccafumi angebracht (1548-50).

Der Chor

In der Apsis befindet sich das prächtige Chorgestühl, das den unteren Teil der Nische über die ganze Breite der drei Kirchenschiffe einnimmt. 1363 begonnen und 1397 vollendet, bestand es ursprünglich aus 90 doppelreihig angeordneten Sesseln, überragt von Baldachinen und geschmeckt mit Tabernakeln und Heiligenstatuen. Der seitlich in der Nische abgeordnete Teil ist das, was von dem prächtigen Komplex aus dem vierzehnten Jahrhundert übriggeblieben ist, einem Meisterwerk von Francesco und Jacopo del Tonghio. Die herrlichen Blenden der Lehnen wurden aber von Fra' Giovanni da Verona geschaffen. Sie waren zunächst für den Chor des Benediktinerstifts von Porta Tufi bestimmt und wurden erst im Jahre 1503 im Chorgestühl der Kathedrale angebracht. Die Motive sind wunderbare Stilleben und Stadtansichten. Die prunkvollen Mittelsitze im Stil der Renaissance wurden hingegen von Teseo Bartolini da Pienza und Benedetto di Giovanni da Montepulciano nach Zeichnungen von Riccio in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts geschnitzt. Im ganzen gesehen ist der Chor jedenfalls ein Werk von vorzüglichem Geschmack und überaus reich an Zieraten.

Der Piccolomini-Altar

Den mächtigen Altar, der im linken Seitenschiff steht, ließ Kardinal Francesco Piccolomini 1481 von Andrea Gregno bauen. Das Madonnenbildnis in der Nische oben hat man Jacopo della Quercia zugeschrieben, die zarte Muttergottes mit dem Jesuskind in der Marmorumrahmung ist vielleicht ein Werk von Paolo di Giovanni Fei (1381). Von hervorragendem Interesse sind die von Michelangelo gehauenen Standbilder des Hl. Paulus und des Hl. Petrus, die man im Bild oben sieht, sowie die des Hl. Gregorius und des Hl. Pius im Bild unten. Kardinal Piccolomini hatte deren fünfzehn in Auftrag gegeben, aber der große Meister schuf in den Jahren von 1501 bis 1504 nur vier Stück. Bemerkenswerterweise handelt es sich dabei um die am wenigsten bekannten Werke Michelangelos, obwohl sie stilistisch von großem Wert sind.

Fensterrose

In der Fensterrose der Innenfassade des Doms hat Pastorino de' Pastorini 1549 nach einem Entwurf des Perin del Vaga das Abendmahl dargestellt. Auf der Abbildung seitlich das Rundfenster über der Apsisnische. Es wurde 1288 nach Entwürfen des Duccio Buoninsegna geschaffen und stellt Tod, Himmelfahrt und Krönung der Jungfrau, sowie die vier Evangelisten und die vier Stadtpatrone von Siena dar; es gilt als erstes Beispiel eines Kirchenfensters in Italien. Die dritte Abbildung zeigt das rechte der beiden Weihwasserbecken im Dom, die Antonio Federighi 1462-63 ausführte.

Die Piccolomini - Bibliotek

Hinter dem ersten Bogenfeld des linken Seitenschiffes befindet sich die Piccolomini-Bibliothek. Sie entstand ab 1492 auf Geheiß des Kardinals Francesco Piccolomini Todeschini, später Papst Pius III., der hier die Bücher seines Onkels mütterlicherseits, des Papstes Pius II., zusammentragen wollte. In der Marmorfront sehen wir kostbare Dekors Marrinas und darüber ein Fresko von Bernardino di Betto, gennannt Pinturicchio (1454-1513), das die Krönung Pius' III. darstellt. Das Innere der Bibliothek - es handelt sich um einen einzigen rechteckigen Saal - fällt durch das viele Licht, durch die lebhaften, geschmackvollen Farben der Bemalung auf.

In der Mitte befindet sich auf einer Renaissance-Konsole die Gruppe der "Drei Grazien", eine aus dem 4. Jahrhundert stammende Nachbildung des griechischen Originals aus hellenischer Zeit: die Skulptur ist ein Geschenk von Kardinal Piccolomini für die Bücherei. Längs der Wände prangen zwischen Pendentive und Lisenen die Fresken Pinturicchios, zwischen 1505 und 1508 ausgeführt. Sie schildern Episoden aus dem Leben von Enea Silvio Piccolomini, der, 1405 in Corsignano (Pienza) geboren, Erzbischof von Siena und später Papst wurde (1458-1464). Er war ein großer Humanist, Diplomat und Kirchenfürst. Gewiß scheint in diesem letzten Werk die flotte Manier, die Mitteilsamkeit des Meisters aus Umbrien irgendwie müde geworden zu sein im Vergleich zu der Frische und Geistigkeit der Fresken in der Baglioni-Kapelle i Spello oder in den Gemächern der Borgia im Vatikan. Aber dennoch verblüffen diese Schilderungen ob ihrer gleitenden Farben, ob der Schlichtheit und Lebendigkeit der Schilderung, in der es keine dramatischen Höhepunkte gibt, ob der Fertigkeit in der Darstellung, die Pinturicchio eigen war.

Copyright Peter Krackowizer, A-5081 Anif, Sommer 2001

Geschrieben 07.08.2001, Geändert 07.08.2001, 4355 x gelesen.

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