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Zu Allerheiligen in Spoleto

Von Teramo

Was mich jedes Mal in Italien fasziniert: Die Verkehrsverbindungen stimmen. Laut unseren neuen ital. Autoatlas soll es von San Anatolia, übrigens in der Valnerina, einen Tunnel rüber ins Tal des Clitunno geben, der uns locker 40 Minuten schenken sollte. Ja, wenige hundert Meter nach San Anatolia geht es auf einer neuen Straße in den Berg, nach zarten 6 km kommen wir im "wirklichen" Umbrien an, d.h. im Hochland des breiten Umbriens. Also, wir sind stolz, so schnell vor den Toren Spoletos zu sein, denn es sind beim Austritt des Tunnels nur noch wenige Kilometer bis zum Stadtkern.

Und dementsprechend steigen wir früh unterhalb der Stadtmauern aus dem VW-Bus. Es ist gerade mal um die 9.00 Uhr. Wir müssen einen langen Weg, ja eine Gasse hoch gehen, wobei mir die Schilderung schwer fällt: Es ist keine Treppe, aber die Gasse geht wie folgt: Drei, vier Meter eben, dann eine Stufe, und so fortwährend, zieht sie sich über mehrere hundert Meter so gepflastert nach oben. Wir kommen auf dem Piazza del Mercato an, den Platz, an dem sogar so früh am Morgen wenige Geschäfte, natürlich so was wie Souvenierläden, ein Blumengeschäft, geöffnet sind. Für einen Feiertag sogar überraschend. Andererseits ist es durchaus interessant, eine Stadt fast für sich alleine zu haben.

Wir schlendern bergan, ich weiss ja, wo sich der Dom befindet. Aber meiner Partnerin wäre es genau so ergangen, wie mir Jahre zuvor: Wir schlendern die Via Saffi hoch, die Blicke schweifen mehr rechts an den Außenmauern der prächtigen Palazzi entlang, so dass auch meine Partnerin beinahe links übersehen hätte, wie sich der Domplatz öffnet und die Schau auf die schöne Domfassade erlaubt. Aber ich mache sie natürlich darauf aufmerksam, und sie ist auch begeistert. Alles Romanik, eine perfekte Außenanlage. Anders drinnen: Hier war mal wieder ein Barbarini am Werk und der lateinische Spruch bewahrheitet sich wieder: "Was die Barbaren nicht geschafft haben, das zerstörten die Barbarini". Ein Kardinal Francesco Barbarini ließ Anfang des 17. Jahrhundert den gesamten Innenraum barockisieren, zwar nicht schlecht, aber im auffälligen Gegensatz zum ersten Außeneindruck. Eindrucksvoll ist die außen nicht zu erwartende Größe des Kircheninneres. Und die üppige Freskisierung der Apsis, angeblich das Meisterwerk des hier während der Arbeit verstorbenen Filippo Lippi. Dem absoluten Gag dieses Domes können wir aber nicht nachgehen, weil in der Kapelle eine Messe gehalten wird. In dieser soll nämlich die Windel von Jesus aufbewahrt werden. Unwillkürlich werden wir hierbei an Monty Python erinnert.

Wir gehen wieder ans Tageslicht, es ist trotz leichter Bewölkung ein heller, ja warmer Tag. Wir gehen die Via Saffi weiter bergan, überqueren die Piazza Campello und stehen bereits unterhalb dem Kastell. Wieder mal Kardinal Albornoz hat hier eine große Festung gebaut, ein trutziges Bauwerk, das die letzten Jahrhunderte als Gefängnis diente. Zuletzt waren hier die Inhaftierten der brigata rossa festgehalten. Heute sind mehrere Räume der Öffentlichkeit für Kulturangebote vorbehalten. Wir lassen die Rocca im wahrsten Sinne links liegen und streben dem Aussichtsbalkon zu. Denn hier her muss man hin, damit man die ponte delle torri auch sieht. Und vor allem auf die gegenüber liegende Hügel, denn auch hier wird dem Italienreisenden mal wieder deutlich, wie gebirgig das Land ist.

Direkt an diesem kleinen Platz ist eine Bar, ich habe eben die Zeitung gekauft, und ein Cappuccino ist jetzt auch gut. Wir lassen es uns für eine Stunde gut sein und verstehen Seume nicht, der auf seiner Reise schrieb, dass er lieber Küster in Bergen/Norwegen sein wolle, als Erzbischof von Spoleto. Allerdings hatte er schlechtes Wetter, wir können am 1. November draußen an einem Tischchen sitzen. Nach einer ruhigen, neue Nachrichten lesenden Stunde brechen wir wieder auf, wieder am Domplatz vorbei, unter dem Drusustor durch runter zum römischen Theater. Nur ein kurzer Blick, dann geht es zum Auto zurück.

Wir wollen uns noch in Ruhe San Pietro kurz vor der Stadt anschauen, zumindest die Außenfassade mit ihrem romanischen bildhauerischen Schmuck. Hier wird deutlich, wie im Hochmittelalter mittels Fresken oder - wie hier - mittels Steinmetzarbeiten Geschichten aus der Bibel oder aus Heiligenlegenden erzählt wurde. Innen ist die Kirche barockisiert, von geringerem Interesse. Aber der Blick zurück zur Stadt mit Rocca und Aquädukt ist noch mal toll!

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Ein Bild vom Diozösiandom

Geschrieben 16.02.2003, Geändert 16.02.2003, 907 x gelesen.

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